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Lippertsreute - dem See ganz nah - Erholungsort
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Lippertsreute
Neujahrsempfang 2008 Die Freude beim Festausschuss war groß, dass unsere Luibrechthalle bis auf den letzten Platz besetzt war. Unsere Ortsvorsteherin, Traudl Keßler, meinte:
„Ich bin stolz darauf, dass die ganze Einwohnerschaft an diesem Neujahrsempfang teilgenommen hat und ich möchte allen ein großes Kompliment machen. Das lässt uns auf
eine breite Unterstützung für unsere weiteren Vorhaben hoffen und voller Freude schauen wir auf das vor uns liegende Festjahr. Ein Dankeschön auch an alle Mitwirkenden bei dem Empfang.“

Im Südkurier vom 4. Januar konnten sie vom Ablauf des Abends ausführlich lesen. Auf vielfachen Wunsch möchte ich hier den Vortragsteil noch ausführlich darlegen.
Werte Festgemeinde!
Wir feiern dieses Jahr unser 850-jähriges Jubiläum. Eigentlich gibt es uns ja schön länger,
wie die Endung „reute“ also „roden“ in unserem Ortsnamen verrät. Ich kann mir gut
vorstellen, wie es den Alemannen, die schon um 400 n. Chr. das Gebiet von Frickingen,
Altheim und Bruckfelden besiedelt hatten, dort zu eng wurde und sie neue Siedlungsplätze
suchten.
Das heutige Lippertsreute bot sich geradezu an. Frisches, reines Quellwasser aus den
Hängen des Schellenberges, fruchtbare Böden in den Lettenäckern und herrliche Buchenund
Eichwälder, wie uns heute noch die Flurnamen verraten, waren beste Voraussetzungen.
Ein Teil des Waldes wurde kurzerhand gerodet und mit dem Holz die Häuser gebaut,
während man in den übrigen Wald die Schweine zur Bucheckern- und Eichelmast trieb, um
möglichst bald zur ersten Schlachtplatte zu kommen, wie sie heute noch gerne hier in
Lippertsreute verzehrt wird. Aus dieser Zeit des 8. – 11. Jahrhunderts haben wir hier in
Lippertsreute aber noch keinerlei schriftliche Quellen.
Doch allmählich tat sich hier im Salemertal und der Umgebung einiges. Die Heiligenberger
bekamen die Grafenwürde und die Herrschaft über den Linzgau verliehen. In Frickingen
nahm Graf Burchhard das Zepter in die Hand, das Kloster Salem wurde gegründet und
Überlingen stand kurz davor, freie Reichsstadt zu werden. Da tauchte Lippertsreute endlich,
schriftlich belegt, 1158 aus dem Dunkel der Geschichte auf.
Die Herren von Bodman, die Johanniter zu Überlingen und schließlich, fast 500 Jahre lang,
die Deutschordenskommende Mainau lenkten dann als Ortsherren die Geschichte unseres
Dorfes.
Dann, am 18. Oktober 1805, so schreibt der damalige Pfarrer Nesensohn, hat der badische
Assessor Ehren von Überlingen den hiesigen Ammann ins Wirtshaus zum Adler berufen und
hat ihm eröffnet, dass nun Lippertsreute unter provisorischer badischer Regierung stehe und
er ließ ein badisches Patent an des Wirts Haustüre anschlagen. Drei Tage später aber kam
der Sekretär Bagnato von der Landkomthurei Altshausen hierher geritten und löste in
Gegenwart des Stabhalters die obige badische Verordnung wieder ab. Bald darauf kam
Baden wieder und schlug sein Patent wieder an und ließ auch zwei Mann zur Bewachung
hier, die aber am anderen Tag wieder abberufen wurden.
Somit waren wir Lippertsreuter erstmals augenscheinlich mit dem Hoheitsbegriff Baden
konfrontiert, deren Untertanen seit jeher den Spottnamen Gelfüßler trugen.
Anlässlich einer Ortsbereisung hier im Jahre 1853 stellt der Großherzoglich badischer
Bezirkskommissar fest, dass im Nachtzettelverzeichnis 400 Einträge sind, Übernachtungen
in Privathäusern mitgezählt. Er stellt weiter fest, dass die Übernachtenden meist
umherziehende Württemberger seien, die nur vorgeben, Arbeit zu suchen, ihre Kinder in
Dienste vermitteln und Ähren lesen wollen. Im Jahr darauf, als er im Nachtzettelbuch 569
Einträge feststellt, setzte er noch eins drauf, wenn er meinte, das komme wieder von den
vielen Württembergern und man sollte diese Leute an der Grenze zurückweisen, dann würde
diese Belästigung unserer badischen Landsleute geringer werden. Also raus mit diesen
Sauschwoben!
Schon eigenartig diese Sache mit den Gelfüßlern und den Sauschwoben, die heute noch in
unseren Köpfen geistert.
Herr Professor Dr. Werner Mezger von der Universität Freiburg, wohnhaft in Rottweil, hat
uns darauf in einem glänzenden und humorvollen Vortrag eine Antwort gegeben.
Herr Prof. Dr. Mezger ist Autor vieler Bücher und Aufsätze und uns allen bekannt als
wissenschaftlicher Betreuer und Moderator vieler Fernsehsendungen des SWR. Für seine
Forschungen und sein Medienschaffen wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem
auch mit dem Bodensee-Literaturpreis der Stadt Überlingen.

Montag, 26. Oktober 2020